Apple Keynote 10.06.2013

Da waren sie wieder, die “great”s, “marvellous”, “fantastic”s und “awesome”s, die wir so lieben. Oder eben auch nicht.

Keynote

Medial wieder spitzenmäßig verkleidet, damit man das Sabbern bekommt. Dabei gab es physisch nur einen Posten, den man tatsächlich in Kürze anfassen könnte, wenn man denn wollte:

MacBook Air

Neue MacBook Airs, die allenthalben erwartet worden waren. Die Evolution macht sicherlich Sinn.

MacBook Pro

Andererseits: Ich bin extrem überrascht, dass nicht auch die MacBook Pros auf intels neue Architektur namens Haswell geupdatet wurden. Insgeheim befürchte(te) ich, dass die nicht-Retina MacBook Pros möglicherweise eingestampft oder ersatzweise nur in nicht konkurrenzfähigen Versionen veröffentlicht würden. Dass sie jetzt komplett fehlen und nicht einmal erwähnt wurden spricht dafür, dass sie später kommen. Man mag munkeln, was dafür der Grund ist – vielleicht der USB3-Bug von intels Chipsatz, vielleicht das Fehlen schlagkräftiger Performancegewinne soft- und insbesondere hardwareseitig, spricht doch die c’t beispielsweise davon, dass jeder Chip im Augenblick ohne spezielle Anpassung gerade mal 5% Mehrleistung gegenüber dem direkten Vorgängerchip offerieren kann (Leistungsgewinne merkt man erfahrungsgemäß so ab ca. 20%).

iOS 7

Nach Steves Dahinscheiden wird nun Johnny Ive wie ein Messias hervorgeschoben und durfte iOS 7 wie schon die Jahre zuvor per “Videobotschaft” (aka durchgestyltem Werbespot, hat er eigentlich nur dieses eine T-Shirt?) ankündigen. Optisch und funktional durchaus gefällig. Verkauft wurde es als “revolutionär”, was meiner Meinung nach doch ein wenig zu weit geht, jedenfalls, wenn ich die Änderungstiefe jetzt in Relation zur Sturheit gegen die Einführung gerade jener besonders hervorgehobener Features (Control Center) in der Vorzeit setze. Ich finde es durchaus vernünftig, die Kritikpunkte umzusetzen (neben dem fehlenden Control Center immer wieder angesprochen: Skeuomorphismus in Kalender, Adressbuch und Game Center). Überhaupt muss man sagen, dass diese Keynote stark von der aufgenommenen und umgesetzten Kritik lebte,. Mehrfach äußerte sich insbesondere Craig über sinngemäß “it’s not green” oder “it’s not leather, but it’s still sticking to that poisition, i don’t know how we ever did this”. Ein Schelm, wer sneak preview des Mac Pro (“Manufactured in the U.S.A.”, Thunderbolt, neue CPUs) und die Tatsache eines gründlich renovierten iOS (beim Angucken musste ich stark an Windows Phone denken, es fehlen zwar die Kacheln, aber sonst…) in dieselbe Kerbe hauend findet.

Bei aller “Fantastisch”erei über iOS 7 – ich vermisse noch immer den Multiuser-Betrieb. Vielleicht brauchen ihn viele andere nicht, aber wenn ein Tablet der komplette Ersatz des PCs sein soll, dann wird das Gerät auch in einem Mehrpersonenhaushalt Dienst tun müssen und zumindest mir ist es absolut nicht einredbar, dass dies ohne getrennte Accounts für Finanzen, Spiele und andere, noch sensiblere Daten möglich wäre. Da ist bei aller Liebe zu der erreichten Darbietung der Designer und Entwickler der Lockscreen das selbe alte Ungetüm, das nicht einmal zeitgemäße alternative Inputs erlaubt. Auch die übliche Masche, gut laufende Ideen aus dem eigenen App Store zu mißbrauchen und unter Verweis auf die AGB den Fremdentwicklern den Vertrieb zu untersagen, wird beibehalten: Ich sehe ein Ende für die Wetter-Apps voraus. Icab Mobile ist kopiert, 1Password auch, Taschenlampen-Apps haben schon lange einen schweren Stand. Gerade bei dem 1password-Klon iCloud Keychain habe ich nach den jüngsten Veröffentlichungen (Prism) erweiterte Bedenken; formaljuristisch mag schon das Auslagern verschlüsselter Daten in ein anderes Land grenzwertig sein. Wenn wie von Craig angekündigt, der App Store tatsächlich alle Apps automatisch updated, sehe ich schwarz. Die Apps, die in ihrem Lifecycle an Funktionen gewonnen haben, sind ganz klar in der Minderheit. Stattdessen ist es der Normalfall, dass Apps – sogar gekaufte – rückentwickelt werden. Ich denke nur an den AV Player, dessen neuestes Update DTS-Decoding weg”optimiert”, Angry Birds, das einst teuer von mir erstanden worden ist und nun ständig Eigenwerbung einblendet (Registriere Dich!) oder Tapatalk (Du hast mich gekauft, darf ich Dich jetzt noch ungefragt mit weiteren In-App-Purchases nerven?). [Update 11.06.2013: Die Update-Funktion scheint wohl per Toggle-Button ausschaltbar zu sein.] Die Icons sind angeblich komplett neu und methodisch konzipiert – wenn man mich fragt nicht immer zu ihrem Vorteil, vom Wiedererkennungswert der Safari-Icons u.ä. ganz zu schweigen. iTunes Radio wird vorgestellt – mir erscheint das wie eine Mischung aus iTunes Genius Playlists, kompletter Marktforschung und Werbe-Verwanzung. Der Sinn für mich hat sich mir noch nicht erschlossen, ich hoffe weiter aufs UKW-Radio und bitte für TuneIn Radio.

Mac OS X “Mavericks”

Neue OS X-Versionen werden nun nicht mehr nach Großkatzen benannt – die Namen sind wohl ausgegangen und “Sea Lion” wollte die neueste Inkarnation niemand nennen. Deswegen und wieder eine Anspielung auf das Steuerungeheuer Apple und den angeblichen Nationalstolz, großartige Produkte von großartigen Menschen in einem großartigen Land bauen zu lassen (Kalifornien), sollen zukünftige Releases Namen besonderer Orte in Kalifornien tragen. Part 1 ist Mavericks, ein Ort, der für seine hohen Wellen und das Surfen berühmt ist. Also war das Plakat im Moscone Center eine mehr als deutliche Anspielung… Etliche Tricks und Techniken sollen die Batterielaufzeit mobiler Geräte deutlich erhöhen, so soll z.B. mittels RAM Compression weniger geswappt werden und in Zusammenarbeit mit intels Ingenieuren raffiniert ausgeklügelte Methoden Rechenleistung eher en block abrufen, statt die modernen Prozessoren ständig zwischen ihren Sleep States hin- und herswitchen zu lassen.  iBooks hält Einzug auf dem Mac – konsequent. Ob sinnvoll, steht auf einem anderen Blatt. Maps existiert nun auch, finde ich deutlich charmanter, auch und gerade, was die Integration von (allerdings immer noch nur die Oberfläche streifenden) Geodiensten wie z.B. im Kalender (uiui, Fantastical) angeht. Wann verklagt eigentlich der erste große Entwickler Apple für all den Ideenklau? In den USA kann man doch sonst jeden Murks patentieren inkl. Ideen… Wirklich Lust auf ein Update könnte die Multi-Monitor-Unterstützung machen, das sah wirklich sehr gut aus. Aber auch hier wieder: Was groß angepriesen wurde (“Full Screen App is no more interfering with other desktops”) ist eigentlich ein Bugrelease, zumindest aber mal die Beachtung hunderttausendfach geäußerter Kritik. Wenn eine App in Fullscreen = anderer Desktop dunkel mal eine Design-Entscheidung war, dann verstehe ich sie nicht.

iWork for iCloud

Eine Darstellung einer browserbasierten Fassung von iWork rundet auch die Notwendigkeit der Dienste Apples ab. Solange das nicht gerade kostenfrei ist entzieht sich mir dessen Sinnhaftigkeit absolut einer Erklärung. Aber imposant war es dennoch und wäre die Zeit des Hoffens auf viel mehr geräteübergreifende Browserfunktionen nicht schon lange vorbei, wäre es auch echt hiilfreich. Immerhin gleich drei Browser werden unterstützt (IE, Chrome und Safari). Man verstehe mich nicht falsch – CSS und AJAX lebe hoch, aber gerade die Apps zerhäckseln den Markt. Mir hat noch keiner erklären können, warum sich gerade alles so entwickelt, wie es sich entwickelt. Mobile Webseiten könnte man auch locker mit nur einigen zusätzlichen Stylesheets bauen und bräuchte keine spezielle Tagesschau-App dafür (allerdings sind deren Push-Notifikationen schon charming). Aber das haut wohl in dieselbe Kerbe wie ein internet-gesteuerter Voice-Recognition-Dienst im mittlerweile dritten Beta-Jahr als Gegenstück für die vorher problemfrei funktionierende lokale Ausgabe der Uhrzeit ohne erzwungene Netzwerkverbindung in volumenlimitierten Flatrates, RSS- und anderen Readern ohne Offline-Funktion und erzwungenem Reload des Content…

Mac Pro

Ich fürchte ja, ich bin ein wenig sehr kritikbeladen. Natürlich habe ich erst einmal gedacht, wow! Aber im zweiten Augenblick rätselte ich, wie stecke ich denn da eine PCIe-Karte hinein? Die Antwort dürfte leicht sein: Gar nicht! Gut, Apple kann das machen, sie haben halt ein geschlossenes Ökosystem und wer die Rechenleistung braucht, dem bleibt nicht viel anderes übrig. In Punkto Design und Verarbeitung wird das schon super sein – aber auch der letzte Kasten, der noch irgendwie sowas wie Offenheit für das Ökosystem bedeutete, ist nun vedongelt, verplombt und festbetoniert in seinem Status bei Kauf. Wieso ein zugegebenermaßen äußerst leistungsfähiges Peripheriesystem wie Thunderbolt nach zwei Jahren ohne nennenswerte Komponenten gerade nun eine Alternative werden soll, die clevere Drittanbieter für den PCIe-Markt wie Sonnet ersetzen können soll ist mir nicht klar. [Update: ArsTechnica hat einen interessanten, wenngleich für ihre Verhältnisse recht oberflächlichen ersten Blick auf den Mac Pro geworfen…]

Fazit

Die Show hat nur umgehauen, wenngleich Tim Cook der zweitschwächste Presenter war. Geschlagen wurde er nur von Eddy Cue, der in seiner Vorstellung vom neuen Mac Pro ständig (mehr als einmal, deswegen kann es kein Versprecher gewesen sein) von Firewire 2 sprach und damit bei mir erst Verwunderung, dann Spannung und dann peinliche Berührung auslöste.

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